Inhaltsverzeichnis: Selbständige in der Rentenversicherung

Zurück zum Inhaltsverzeichnis Selbständige in der Rentenversicherung

3.1.1.3.4 Geringfügig Beschäftigte in Büro- oder Praxisgemeinschaften

Schließensich mehrere Selbständige zu einer Büro-/Praxisgemeinschaft (z.B. in Form einer GbR oder GmbH) zusammen, sind diese nur dann nicht rentenversicherungspflichtig, wenn die Anzahl der versicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer der Anzahl der Selbständigen entspricht.

Hierbei können mehrere Arbeitnehmer, die zwar jeweils versicherungsfreie (geringfügige) Beschäftigungen ausüben, in ihrer Gesamtheit versicherungspflichtige (mehr als geringfügig beschäftigte) Arbeitnehmer ersetzen. Die Rentenversicherungspflicht der Selbständigen kann aber auch entfallen, wenn von der Büro-/Praxisgemeinschaft nur ein versicherungspflichtiger Arbeitnehmer beschäftigt wird und rein rechnerisch jedem Selbständigen der Gemeinschaft ein "Anteil" am Arbeitsentgelt des Beschäftigten von monatlich mehr als 400,- EUR zugeordnet werden kann.

Voraussetzung ist jedoch, dass die Arbeitsverträge der Arbeitnehmer mit der Büro-/Praxisgemeinschaft bzw. mit allen Selbständigen abgeschlossen worden sind.

Die rechnerische Ermittlung der Anzahl versicherungspflichtiger Arbeitnehmer kann nach folgender Formel vorgenommen werden:

Summe der Arbeitsentgelte
-------------------------
400,01

Beispiel:
Vier Physiotherapeuten schließen sich zu einer Praxisgemeinschaft zusammen und beschäftigen im Jahr 2011

a) vier Teilzeitarbeitskräfte jeweils 10 Stunden wöchentlich gegen ein monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von je 275,- EUR,

b) drei Teilzeitarbeitskräfte jeweils 11 Stunden wöchentlich, gegen ein monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von je 375,- EUR,

c) zwei Teilzeitarbeitskräfte jeweils 20 Stunden wöchentlich mit einem monatlichen Arbeitsentgelt in Höhe von je 700,- EUR und eine Teilzeitarbeitskraft acht Stunden wöchentlich gegen einmonatliches Arbeitsentgelt in Höhe von 275,- EUR,

d) eine Vollzeitarbeitskraft 40 Stunden wöchentlich gegen ein monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von 1750,- EUR.

Lösung:
Die vier Krankengymnasten unterliegen im Beispiel

a) der Rentenversicherungspflicht, da die Arbeitsentgelte der vier geringfügig beschäftigten Teilzeitarbeitskräfte in ihrer Gesamtheit keine vier versicherungspflichtigen Arbeitnehmer ersetzen.

4x275,-EUR
----------------
400,01 EUR

ergibt rechnerisch 2,7 mehr als geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer,

b) der Rentenversicherungspflicht, da die Arbeitsentgelte der drei versicherungspflichtig beschäftigten Teilzeitarbeitskräfte in ihrer Gesamtheit nicht mindestens vierversicherungspflichtige Arbeitnehmer ersetzen.

3x375,- EUR
----------------
400,01 EUR

ergibt rechnerisch 2,8 mehr als geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer,

c) nicht der Rentenversicherungspflicht, da die Arbeitsentgelte der zwei versicherungspflichtig beschäftigten Teilzeitarbeitskräfte und der geringfügig beschäftigten Teilzeitarbeitskraft in ihrer Gesamtheit mindestens vier versicherungspflichtige Arbeitnehmer ersetzen.

1675,- EUR (700,- EUR x 2 + 275,- EUR)
-------------------------------------------------------
400,01 EUR

ergibt rechnerisch 4,1 mehr als geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer,

d) nicht der Rentenversicherungspflicht, da die Vollzeitarbeitskraft mindestens vier versicherungspflichtige (mehr als geringfügig beschäftigte) Arbeitnehmer ersetzt.

1750,- EUR
---------------
400,01 EUR

ergibt rechnerisch 4,3 mehr als geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer.

zurück zu: 3.1.1.3.3 Beschäftigung in geringem Umfang

weiter zu: 3.1.2 Ende und Wiedereintritt der Versicherungspflicht


Quelle: Deutsche Rentenversicherung


Zurück zum Inhaltsverzeichnis Selbständige in der Rentenversicherung



Kostenlose Steuerrechner online
Kostenlose Steuerrechner

Buchhaltungssoftware
MS-Buchhalter

Buchhaltungssoftware MS Buchhalter downloaden und kostenlos testen
Jetzt kostenlos testen

Weitere Informationen:

Rentenversicherungsbericht 2018 und Dritter Bericht zur Anhebung der Regelaltersgrenze beschlossen
"Die Sicherungslinien wirken" Das Bundeskabinett hat am 28.11.2018 den Rentenversicherungsbericht 2018 sowie den dritten Bericht zur Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre beschlossen. Gemäß ihrer gesetzlichen Verpflichtung informiert die Bundesregierung mit dem Rentenversicherungsbericht jährlich über die Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung in Vergangenheit, Gegenwart ...

Beschränkte Steuerpflicht für in das Ausland gezahlte Rentenversicherungsleistungen
Die beschränkte Einkommensteuerpflicht der von der Deutschen Rentenversicherung Bund in das Ausland (hier: Kanada) gezahlten Renten wird nicht durch das DBA-Kanada 2001 ausgeschlossen. Die in Art. 18 Abs. 3 Buchst. c  DBA-Kanada 2001 vorgenommene Zuordnung des Besteuerungsrechts für Sozialversicherungsrenten an Kanada lässt das in Art. 18 Abs. 1 Satz 2 DBA-Kanada 2001 vorbehaltene Quelle...

Rentenversicherung: Hinzuverdienstgrenze wegen Rinderstall überschritten
Erwerbsminderungsrente muss anteilig zurückgezahlt werden Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung wird abhängig vom erzielten Hinzuverdienst bewilligt. Das anzurechnende Arbeitseinkommen richtet sich dabei grundsätzlich nach dem Einkommensteuerrecht. Wird ein Gebäude aus dem Betriebsvermögen in das Privatvermögen des Versicherten überführt, so sind die daraus resultierenden Einkünfte al...

Befreiung von der Rentenversicherungspflicht nicht nur bei approbationspflichtiger Beschäftigung als Apotheker
Der 5. Senat des Bundessozialgerichts hat in seiner Sitzung vom 22.03.2018 (Az. B 5 RE 5/16 R) entschieden, dass ein Apotheker nicht nur dann von der Versicherungspflicht befreit ist, wenn er tatsächlich als approbierter Apotheker tätig ist; ausreichend ist auch eine andere, nicht berufsfremde Tätigkeit. Der Kläger, approbierter Apotheker, ist seit 2009 als Verantwortlicher für Medizin...

Nach dem Tod einer Rentnerin weiter gezahlte Rente kann von Rentenversicherung zurückverlangt werden
Rentenversicherung verlangt jahrelang nach dem Tod einer Rentnerin gezahlte Rente von den Kontobevollmächtigten zurück. Die Rentenversicherung zahlte in Unkenntnis des Todes einer 2005 verstorbenen Rentnerin bis zum Jahr 2011 weiter Rente auf deren Konto. Es ergab sich eine Überzahlung von ca. 77.000 Euro. Den auf dem Konto noch vorhandenen Betrag erstattete die Bank zurück. Es verblieb...